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31.07.18 5 Min. Lesezeit

„Ein Riesenunterschied, wenn man richtig auf dem Bike sitzt.“

Für die perfekte Position auf dem Rad sind viele Details wichtig. Sattelhöhe, Lenkerbreite und Montagepunkte der Cleats können bereits einen Riesenunterschied machen, die Leistung steigern und sogar Verletzungen vorbeugen. Welchen Unterschied ein professionelles Bikefitting wirklich macht, hat Sophie Wittmann in der Vorbereitung auf ihren Ötztaler Radmarathon selbst ausprobiert.

Bisher war ich ganz zufrieden mit meinem Rad. Ich hatte es mir im Internet zusammengestellt, nach meiner Körpergröße ausgewählt und bestellt. Sattelhöhe eingestellt und los gings für mich auf die Straße. Ein professionelles Bikefitting? Daran hatte ich bis dahin nicht gedacht. Um mich optimal auf den Ötztaler Radmarathon vorzubereiten, hat mir PowerBar die Chance gegeben meine Ausstattung bei Zweirad Stadler auf den neuesten Stand zu bringen und mein Rad an mich und meine Körpermaße anpassen zu lassen. Da wollte ich es natürlich wissen: Können ein paar Einstellungen an meinen Komponenten für ein besseres Fahrgefühl sorgen?

 

Ein ordentliches Fitting kann Ermüdungserscheinungen mindern, das Verletzungsrisiko senken und die Leistung verbessern.

 

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Eigentlich ist der Mensch nicht zum Radfahren gemacht. Stundenlang sitzt man in einer unnatürlichen Position auf dem Sattel. Das kann schnell zu Verletzungen und Schmerzen führen. Und auch zu weniger Spaß auf dem Bike. Ein ordentliches Fitting, also die Anpassung kleinster Details an die eigenen Körperproportionen und den persönlichen Bewegungsspielraum, soll dagegen Ermüdungserscheinungen mindern, das Verletzungsrisiko senken und die Leistung verbessern können. Klingt nach einem ziemlich individuellen Prozess. Ist es auch. Als ich bei meinem Termin ankomme, geht es erst einmal mit einem persönlichen Gespräch los. Ich erzähle von meinen „Ötzi“-Plänen und dass ich bisher eigentlich ziemlich zufrieden mit der Sitzposition auf meinem Rad bin. Auch bei langen Ausfahrten fühle ich mich wohl. Für das Fitting nehme ich auf einer Einstellvorrichtung Platz. Hier simulieren wir die verschiedensten Sitzpositionen, bevor mein Rad rangenommen wird. Die drei wichtigsten Kontaktpunkte zwischen mir und meinem Rad, die dann in den Fokus des Termins rücken, sind Sattel, Lenker und Pedale.

 

1. Der Sattel

Den größten Effekt kann man über die richtige Einstellung der Sattelhöhe erreichen. Die Sattelhöhe wird von der Oberkante des Sattels zur Mitte des Tretlagers vermessen. Das kann man auch zuhause ganz einfach selbst machen. Die einfachste Methode ist es dabei die Ferse auf das Pedal zu stellen und die Kurbel in eine senkrechte Position zu bringen. Das Bein sollte dann voll durchgestreckt sein. Volltreffer. Die Sattelhöhe ist an meinem Rad schon einmal perfekt. Nach der Höhe kommt die Längseinstellung des Sattels. Der Körperschwerpunkt sollte direkt über dem Tretlager liegen. Die richtige Position bestimmt man mit Hilfe des Knielots. Diese gedachte Senkrechte läuft bei waagrechter Kurbelposition von der Kniescheibe entlang nach unten. Ziel dabei: Die Linie vor dem Knie soll über dem Gelenk des großen Zehs auf die Pedalachse zeigen. Und das war für mich ein echter Aha-Moment. Wir verschieben den Sattel um ein paar Millimeter nach vorne und schon fühlt sich das Rad anders an. Das schon so eine kleine Einstellung so viel ausmacht, hätte ich nicht gedacht.

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2. Lenker und Vorbau

Im nächsten Schritt schauen wir uns den Lenker und Vorbau meines Rads an. Hier ist alles in Ordnung. Der Lenker sollte so breit sein wie die Schultern. Ist er zu breit kann das dazu führen, dass man die Hände mehr spreizt und sehr viel Gewicht auf den Handgelenken lastet. Dadurch können Taubheitsgefühle entstehen führen. Ein weiterer Tipp, den ich bekomme: Bereits bei der Einstellung des Rads nach vorne schauen, also wirklich die Position einnehmen, in der man auch später draußen auf dem Rad sitzt. So kann man schon beim Bikefitting testen, wie sich die Position auf Schulter- und Nackenbereich auswirkt und gegebenenfalls noch einmal nachjustieren. Bei der Vorbaulänge ist die Regel: Wenn man den Lenker in der Beuge greift, einen Fuß auf dem Pedal und den Kurbelarm parallel zum Unterrohr hält, sollten Ellbogen und Kniescheibe rund zwei Zentimeter Abstand voneinander haben.

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3. Schuhe und Pedale

Dann kommen wir zu Schuhen und Pedalen. Die Verbindung von beiden, die sogenannten Cleats, wurden an meinen neuen Schuhen direkt mit eingestellt. Sind sie falsch positioniert, können Schmerzen in Fuß oder Knie die Folge sein. Idealerweise werden sie nach dem persönlichen Gehstil des Fahrers ausgerichtet. Dabei sollte sich die Achse des Pedals unter dem Fußballen befinden. Wichtig ist es dabei auf die Stellung der Füße zu achten. Zeigen zum Beispiel die Fußspitzen oder Fersen in entspannter Haltung nach innen, dann sollte man dies auch bei der Montage der Cleats beachten und den Winkel entsprechend einstellen. Indem man die Schrauben der Cleats ein bisschen löst, kann man sich an die richtige Stellung herantasten.

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Alles in allem war bei mir nur der Sattel nicht exakt ausgerichtet, aber als ich mich nach dem Fitting auf das Bike gesetzt habe, kam es mir vor, wie ein komplett anderes Rad. Alles lief plötzlich leichter und ich konnte mit weniger Anstrengung mehr Druck aufs Pedal bringen. Nur wegen ein paar Millimetern. Nach diesem Termin kann ich jedem dem Tipp geben, mal ein Bikefitting auszuprobieren. Ein paar kleine Details können wirklich die eigene (Bike-)Welt verändern.

Um die letzten Wochen vor dem Rennen optimal zu nutzen, habe ich mich mit Experte und Ex-Radprofi Marcel Wüst über mein Training und die Motivation während des Rennens unterhalten. Mehr dazu in meinem nächsten Beitrag hier auf dem PowerBar-Blog.