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Do’s and Don’ts im Rennen: 8 Profi-Tipps

Autor: Jonathan Wyatt

 

Konkrete Tipps für ein erfolgreiches Etappenrennen (mit Genuss!)

 

1. Es ist ein Etappenlauf über mehrere Tage. Man muss sich sein Tempo gut einteilen! Am Ende der ersten vier Etappen des Transalpine-Runs sollte man sich so fühlen, als hätte man gerade einen langen Trainingslauf absolviert. Damit ist schon einmal die erste Hälfte geschafft, und man fühlt sich immer noch fit und das bringt die Motivation für die zweite Hälfte. Und was noch dazu kommt: Man überholt Läufer, die sich schon auf den ersten Etappen verausgabt haben!

 

2. Durch den Adrenalinschub, der durch den ganzen Trubel (z. B. laute, aufpeitschende AC/CD-Musik) entsteht, darf man sich auf keinen Fall dazu verleiten lassen, zu schnell loszulaufen. Mein Tipp gegen das Zuviel an Adrenalin: Den ersten Kilometer einfach mental als einen ganz normalen Trainingslauf sehen. An der Startlinie 15 Sekunden vor dem Startschuss die Augen schließen und sich nur auf die eigene (langsame und tiefe) Atmung konzentrieren. Euphorie und Adrenalin sind super vor einem 100-Meter-Lauf, aber nicht vor einer Transalpine-Etappe!!

 

3. Man muss lernen sein Tempo optimal zu steuern ‑ am besten mit einem Herzfrequenzmesser. Dazu gilt es zuerst einmal herauszufinden, mit welcher Herzfrequenz man locker laufen kann, ab wann man müde wird und bei welcher Herzfrequenz man sich nicht mehr so leicht wieder erholt. Auf diese Art bekommt man das perfekte Tempo für die Strecke heraus. Wenn man dann später schon erfahrener damit ist, kann man sich mit seinen eigenen aeroben und anaeroben Schwellen beschäftigen und so Training und Lauftempo noch besser anpassen.

 

4. Der Transalpine-Run ist ein Team-Lauf, kein Einzellauf. Also muss man auch auf seinen Laufpartner achten. Jeder hat sein eigenen Stärken: Derjenige, der z. B. im Berglauf der Fittere ist, sollte ein paar der Getränke seines Partners übernehmen, damit ihm dieser Abschnitt leichter fällt. Gegenseitige Unterstützung und gemeinsames Erleben bringt auch mehr Spaß.

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5. Dieses Event ist ein ganz besonderer Lauf. Deshalb sollte man nicht nur mit dem Kopf nach unten und auf den Trail konzentriert laufen, sondern lege zwischendurch für ein paar Sekunden ein langsameres Tempo ein und genieße den Blick auf die traumhafte Bergkulisse mit Pflanzen und Tieren! Das macht locker und mit einem Glücksgefühl im Bauch und der frisch getankten Energie ist man auch gleich motivierter, noch schneller zu laufen.

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6. Der Laufrucksack muss vor allem praktisch sein, das heißt, Getränke und Nahrung sollten in Reichweite sein. Wenn man erst stehen bleiben muss, um diese Dinge aus dem Rucksack zu nehmen, wird regelmäßiges und richtiges Essen und Trinken leicht vergessen. Also sollte das Herausnehmen von Getränken und Nahrung aus den vorne am Rucksack befindlichen Haltern schon im Training eingeübt werden.

 

7. Hab einen Sonnenhut dabei. Das klingt komisch, nicht? Aber man muss bedenken, dass man viele Stunden im Freien ist, die Tage sind lang und man muss sich gegen UV-Strahlung schützen. In Höhenlagen ist die Sonneneinstrahlung intensiver, dadurch holt man sich sehr leicht einen Sonnenbrand und verliert mehr Flüssigkeit. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die meisten Leute hervorragend für kaltes Wetter in den Bergen ausgerüstet sind, Jacken und warme Kleidung dabei haben, aber auf die Sonne und deren Folgen sind sie oft nicht vorbereitet. Kopfschmerzen und Dehydrierung erschweren die Erholung nach einer Etappe um ein Vielfaches. Das Auftragen von Sonnencreme, die trotz Schweiß auf der Haut und wirksam bleibt, ist ganz wichtig.

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8. Man sollte das zusätzliche Gewicht des ganzen Equipments nicht unterschätzen und vor allem beim Training berücksichtigen – sowohl bergauf als auch bergab. Aufgrund des zusätzlichen Gewichts verändern sich die Schrittfrequenz und die Geschwindigkeit auf den Transalpine-Etappen. Das muss im Training ausprobiert werden, damit man am Renntag nicht zu schnell startet, weil man nicht an das zusätzliche Gewicht denkt. Wenn möglich, sollte man daher bei den Trainingsläufen mit einem Kilo mehr trainieren. Die Tagesetappen des Laufs fallen einem somit leichter, auch weil man genau weiß, man schon mit mehr Gewicht trainiert hat und der Körper sich darauf schon eingestellt hat.

 

Jonathan Wyatt

Als Legende des Berglaufens hat der neuseeländische Jonathan Wyatt Geschichte geschrieben. Seine Erfolgsquote ist unbestritten. Neben zahlreichen lokalen und internationalen Erfolgen, nennt der 2-fache australische und 14-fache neuseeländische Titelhalter, mehr als 8 Weltmeistertitel im Berglaufen sein eigen und stand sogar zwei Mal bei den Olympischen Spielen am Start.

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