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Maloja Pushbikers – Sporternährung im Bahnradsport

Christian Grasmann im Interview: „Ein direkter Antrieb, keine Bremsen, klarer Purismus – das finde ich genial“

Herr Grasmann, was macht die Faszination Bahnradsport aus?

Der Bahnradsport hat viele Facetten, die faszinierend sind. Ich finde es großartig, dass ich mit Rädern, die vom Prinzip her seit Jahrzehnten unverändert sind, unglaublich hohe Geschwindigkeiten erreichen kann. Ein direkter Antrieb, keine Bremsen, klarer Purismus. Nur was Materialien und Geometrien anbelangt, haben sich die Räder in den letzten Jahren weiter entwickelt - das finde ich genial.

Die sogenannten „Sechstagerennen“ (Sixdays) gehören wohl zu den bekanntesten und härtesten Herausforderungen in der Szene und erleben seit den Olympischen Spielen 2012 eine kleine Renaissance. Wie bereiten Sie sich auf sechs Tage Dauerbelastung auf dem Rad vor?

Ich nutze die Straßensaison zur Vorbereitung auf den Winter.
Während ich im Sommer überwiegend Grundlagen-Kilometer sammle, stelle ich zwei Monate vor Beginn der Bahnsaison auf schnelle, kürzere Einheiten um. Das ist wichtig, um die hohe Trittfrequenz zu trainieren, die ich auf der Bahn abrufen muss.
Eine weitere Trainingsmethode ist das sogenannte Derny Training auf der Bahn oder das Motor-Training auf der Straße. Dabei lässt sich der Radfahrer von einem leichten Motorrad im Windschatten ziehen und spart dadurch nicht nur Kraft, sondern kann auch große Gänge, bei hohem Tempo, leichter treten.
Zur richtigen Vorbereitung gehören neben dem Training, aber auch die Ernährung und ein angepasster Schlafrhythmus. Um das passende Gewicht für die Bahnradkämpfe zu erreichen, achte ich auf eine eiweißreiche Ernährung und versuche vor den Sechstagerennen in den Nachtmodus reinzukommen. Das bedeutet für mich, später schlafen gehen und morgens entsprechend auch später aufstehen.

Sie beschreiben in Ihrem neuen Film „SIX DAYS – A Journey“, dass ab der ersten Minute eines Sechstagerennens für die Fahrer alles wie in einem Uhrwerk abläuft – Rennen, Erholung, Massage, Essen, Rennen, Schlaf. Welchen Einfluss hat die Planung und Verlässlichkeit in Trainer, Team und Equipment auf den Erfolg bei einem solchen Rennen?
Vertrauen in das Team, das Material, das Training und die Ernährung ist in unserem Sport absolut entscheidend. Du probierst im Training schon ungern neue Sachen aus,  aber während der Rennen, wenn es wirklich um Etwas geht, erst recht nicht.
Das Allerwichtigste während eines Sechstagerennens für mich, ist es,  einen geregelten Tagesablauf zu haben. Meine Massage habe ich beispielsweise um 13 Uhr, um ab 14:30 Uhr meinen Kreislauf auf der Rolle wieder in Schwung zu bringen. Danach gehe ich zum Essen. Nach dem Essen findet eine Regenerationsphase statt, oft in unserem Camper, bevor wir dann wieder in die Halle gehen, das Publikum sehen und die Rennen beginnen.
Wenn ein Tag anders abläuft, ist das für mich auch im Kopf ein Problem.

Radsportteams bei der Tour de France genießen den Luxus, einen eigenen Koch und Ernährungsberater dabei zu haben, die sich während der Wettkampftage um das Essen sowie die passende Energieversorgung der Athleten kümmern. Wer ist bei Ihnen für die Verpflegung zuständig und was benötigt der Körper, um so einen Kraftakt wie ein Sechstagerennen zu meistern?

Das Essensangebot bei einem Sechstagerennen entspricht meistens nicht jedem Geschmack oder hohen sportwissenschaftlichen Ansprüchen. Im Gegensatz zum Material, ist man hier nicht mit der Zeit gegangen. Aufgabe der Athleten ist es also, die eigenen Bedürfnisse zu kennen und entsprechend für zusätzliche Verpflegung zu sorgen.
Vor, während und nach den Rennen werden wir im Team sehr stark von unseren Soigneuren unterstützt. Sie halten unsere gewünschten Produkte bereit, füllen unsere Flaschen für eine kontinuierliche Wasser- und Mineralienaufnahme auf, bereiten die Protein-Shakes nach dem Rennen vor und leisten psychologischen Beistand, wenn es mal nicht so läuft. 

Das Besondere bei Sechstagerennen ist aber die zum Teil extreme Wärme in den Hallen, sodass wir sehr viel schwitzen. Deshalb sind für uns vor allem Mineralien und Magnesium in den Trinkflaschen enorm wichtig.
Da wir so viele Rennen hintereinander fahren, ist es verständlich, dass wir in den Rennpausen keine Currywurst und kein Käsebrot essen können, wenn wir Hunger haben. Wir brauchen Energie, die dem Körper schnell wieder zur Verfügung steht und das Essen darf dabei nicht schwer im Magen liegen. Ich greife da immer gerne auf den Energize Riegel zurück.

Mir persönlich ist während der langen Saison auch auf eine gewisse Vielfalt bei solchen Produkten wichtig. Man kennt seine bewährten Grundsteine für schnelle Energieaufnahme, die Regeneration etc. – aber man möchte auch eine geschmackliche Abwechslung haben und sich immer wieder auf etwas Neues freuen.

Am sechsten und letzten Tag läuft alles auf eine finale Runde hinaus, wo es um Sieg oder Niederlage geht. Gibt es einen Geheimtipp, um nach den ganzen Strapazen immer noch einigermaßen wach und konzentriert in das letzte Rennen zu gehen?

Geheimtipps verrate ich nicht (lacht), sonst sind sie ja nicht mehr geheim.
Ich kann aber sagen, dass es zu meinen Ritualen gehört, vor jedem Abend einen ordentlichen Kaffee oder Espresso zu trinken. In unserer Kabine steht deshalb immer ein Espressokocher bereit.

Vor den großen, wichtigen Rennen und natürlich auch vor der finalen Jagd am sechsten Tag, hilft mir außerdem ein Hydrogel Cola mit Koffein, das mir mein Pfleger, Etienne Illegems, anreicht.
Er ist in allen Sixdays-Nächten an meiner Seite und ich bekomme vor den Rennen auch oft noch eine kurze Massage in der Holzkabine, bei der wir dann über den Rennverlauf sprechen.
Auf seine Einschätzungen kann ich mich absolut verlassen. Vor dem Finale steigt auch seine Spannung und so pushen wir uns gegenseitig und wissen: jetzt geht es auf das Ende, die letzte Runde zu.