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Der gemeinsame Kampf gegen die Uhr

Die Routine bei den Teams der Tour de France wird kurzzeitig über Bord geschmissen, wenn das Mannschaftszeitfahren ansteht. Die Vorbereitung, der Ablauf und sogar die Verpflegung weichen deutlich vom Standard ab. Eine enorme Herausforderung für die einzelnen Mannschaften. Wir blicken hinter die Kulissen des BMC Racing Teams, dem aktuellen Weltmeister im Teamzeitfahren.

Mannschaftszeitfahren, Etappe 9, 28 km, Vannes — Plumelec

Was ist das Besondere an der Etappe im Mannschaftszeitfahren?

Eine Etappe im Mannschaftszeitfahren ist immer etwas Besonderes, da der Ablauf auf den Kopf gestellt wird, wenn alle Fahrer zur gleichen Zeit starten. Da das BMC Racing Team der amtierende Weltmeister ist, ist diese Etappe für uns etwas sehr Besonderes.

Was macht das BMC Racing Team am Tag eines Mannschaftszeitfahrens?

Der Tag eines Mannschaftszeitfahrens umfasst viele verschiedene Aspekte. Wir hatten bereits viele Mannschaftszeitfahren dieses Jahr und haben viele Daten sowie Informationen von diesen Rennen gesammelt. Es ist jedoch ein neuer Wettkampf, so dass alles an den aktuellen Kurs angepasst werden muss: der Reifendruck, die Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr während des Rennens, die Kettenblätter, die Reihenfolge der Fahrer... Es gibt so viele verschiedene Einflussfaktoren. Wir wollen sicherstellen, dass wir alles abdecken. Gemeinsam mit dem Leistungsteam rund um Marco Pinotti und David Bailey planen wir alles bis ins letzte Detail für das Mannschaftszeitfahren. Ich glaube, die letzten Ergebnisse haben gezeigt, dass wir ziemlich gute Arbeit geleistet haben.
Einige Fahrer setzen sich am Morgen nach dem Frühstück auf das Spinningrad, um leicht zu trainieren. Andere machen für ein paar Minuten lieber ein Rollentraining und setzen sich dann im Hotel aufs Spinningrad. Dies ist bereits Teil der Vorbereitung für das Zeitfahren. Dabei hat aber jeder Fahrer seine eigene Vorbereitungsweise, mit der er sich wohlfühlt. Wenn ein Mannschaftszeitfahren auf dem Programm steht, gibt es keine unterschiedlichen Startzeiten. Es ist daher für uns einfacher, die Transfers zu planen. Alle fahren zur selben Zeit los und kommen zur selben Zeit zurück. Beim Einzelzeitfahren hingegen müssen viele Transfers geplant werden, da die Radfahrer an unterschiedlichen Uhrzeiten am Start sein müssen und letztlich auch wieder zurückkommen. Es ist heute zwar einfacher, aber nichtsdestotrotz eine Herausforderung.

Gibt es etwas Besonderes, was bei der Vorbereitung zu beachten ist?

Vor einem Zeitfahren nehmen die Fahrer normalerweise ein zweites Frühstück oder ein Mittagessen zu sich, da der Start zu einem späteren Zeitpunkt im Laufe des Tages erfolgt. Wenn Sie am Morgen gefrühstückt haben und erst um 16.00 Uhr starten, müssen sie nochmals etwas essen. Auf dem Speiseplan steht jedes Mal das Gleiche. Einige Fahrer essen Nudeln, andere Reis, einige nehmen lieber ein Omelette mit Kohlenhydraten zu sich. Jeder Fahrer hat sein eigenes Lieblingsessen vor einem Zeitfahren und davon wird auch nicht abgewichen, wenn es sich um ein Mannschaftszeitfahren oder die Tour de France handelt. Sie essen, was für sie gut ist und funktioniert. Da das Zeitfahren einem fixem Schema folgt, hat jeder Teambetreuer eine konkrete Aufgabe: beim Start, im Ziel oder im Hotel. So können wir sicherstellen, dass wir an alles denken, und die Fahrer bestmöglich unterstützt werden. Der Fahrer muss sich nur auf das Aufwärmen und das Rennen konzentrieren. Wir bereiten die Mahlzeiten und die Getränkeflaschen vor, nehmen die Abstimmung am Fahrrad vor, bereiten die Rennkleidung vor... alles in Teamarbeit.

Essen oder trinken die Fahrer während eines Zeitfahrens?

Je nach Distanz ist es nicht immer notwendig, etwas auf dem Rad zu trinken oder zu essen. Während eines 15 km langen Prologs ist es nicht erforderlich, etwas zu trinken. Wenn der Fahrer mehr als eine Stunde lang Anstrengungen ausgesetzt ist, ist es allerdings wichtig, zu trinken und Energie zuzuführen. Aber es gibt auch andere Faktoren, die bei der Wahl, etwas zu trinken bzw. nichts zu trinken, eine Rolle spielen: Profile, Wetter und Kurs.


Judith Haudum ist 33 Jahre alt und stammt aus dem österreichischen Salzburg. Die studierte Sportwissenschaftlerin, Dozentin und Expertin für Sporternährung arbeitet beim BMC Racing Team, das vom Sponsor PowerBar mit hochwertiger Sporternährung unterstützt wird.