headerbild_massage_1200x520

Ausfahrt mit Kaffee und Kuchen

Nach neun knackigen Etappen steht erstmals ein Ruhetag bei der Tour de France auf dem Programm. Doch Füße hochlegen gilt sowohl für das Team als auch für die Fahrer am freien Tag nicht. Von wegen Kurzurlaub! Für die Profis geht’s bei gemütlichem Tempo trotzdem aufs Rad. Anders als bei der Etappe winkt unterwegs jedoch eine kleine Belohnung.

Ist ein Ruhetag wirklich ein Ruhetag?

Nach neun Etappen steht endlich ein Ruhetag an! Einige Fahrer werden die Entspannungs- und Erholungspause genießen. Aber ein Ruhetag bedeutet nicht, dass man den ganzen Tag im Bett liegt. Selbst an den Ruhetagen setzen sich die Fahrer aufs Fahrrad. Sie trainieren nicht in Renngeschwindigkeit, unternehmen jedoch einen kleinen Ausflug mit Einkehr in einem Café. Ja, das ist definitiv ein Punkt, den Freizeitsportler von Leistungssportlern lernen können. Die Mehrzahl der Freizeitsportler nimmt ihr Training so ernst, dass sie den angenehmsten Teil ganz vergisst: einen kleinen Stopp in einem Café, um einen guten Kaffee und manchmal sogar ein Stück Kuchen zu genießen. Genau das machen wir! 

Was ist das Besondere an einem Ruhetag?

Das Besondere an einem Ruhetag ist, dass die Fahrer drei ordentliche Mahlzeiten einnehmen. Das hört sich vielleicht komisch an, aber wenn du dir die anderen Tage näher ansiehst, dann wirst du feststellen, dass sie ihr Mittagessen immer auf dem Fahrrad zu sich nehmen. An einem Ruhetag haben sowohl die Fahrer als auch die Betreuer die Möglichkeit, ordentlich im Hotel zu frühstücken sowie zu Mittag und zu Abend zu essen. Und das macht einen großen Unterschied – sowohl für den Magen als auch für den Kopf. Es ist großartig, sich beim Mittagessen hinsetzen und dieses in einem ruhigen Hotel zu sich nehmen zu können. Wenngleich es im Hotel nicht immer ruhig zugeht... Es sind schließlich mehrere Mannschaften im Hotel untergebracht und es kommen auch Familienmitglieder sowie andere Gäste zu Besuch. Die Fahrer bekommen beispielweise häufig Besuch von ihrer Familie. Natürlich ist es auch davon abhängig, wo diese lebt. Für die Fahrer ist die Unterstützung durch ihre Familie sehr wichtig. Es ist bedeutend für den mentalen Aspekt. Sie schöpfen dadurch neue Kraft und finden so neue Motivation für die nächsten Tage.

Ist ein Ruhetag auch ein Ruhetag für die Betreuer, Ernährungsberater etc.?

Auch die sonstigen Teammitglieder benötigen an einem Ruhetag einmal eine Verschnaufpause, wenngleich ihnen eine komplette Auszeit nicht gegönnt ist. Es geht entspannter zu, sie müssen beispielsweise morgens nicht so früh aufstehen wie sonst, um alles für die Etappe vorzubereiten. Sie können ausschlafen... und wenn ich ausschlafen sage, dann meine ich bis 7.30 Uhr. Außerdem bedeutet ein Ruhetag zumeist auch, dass es keine Transfers gibt. Das macht es einfacher und etwas entspannter. Im Gegensatz zu den Fahrern bekommen die anderen Teammitglieder kaum Besuch von ihren Familien. Aber wir haben anderes zu tun. Die Betreuer, der Koch und der Ernährungsberater überprüfen beispielsweise die Lebensmittelvorräte. Ein Ruhetag bietet die ideale Gelegenheit, um Lebensmittel einzukaufen. Die Fahrer sind hungrig und essen viel, daher benötigen wir auch große Mengen an Nahrungsmitteln. Cerealien, Reiswaffeln, Obst, Nudeln, Reis, Getreideprodukte, Fisch, Fleisch, Milch – wir überprüfen, wie viel vorhanden ist, und beurteilen, wie viel wir in den nächsten Tagen benötigen werden. Wenn man vorausplanen kann und bereits einiges am Ruhetag erledigt, dann wird es an den darauffolgenden Renntagen leichter.
Ein Ruhetag eignet sich auch, um selbst etwas Sport zu treiben. An einem Renntag ist das schwierig, nur früh morgens bietet sich dafür eine Möglichkeit. Während des Tages ist keine Zeit dafür, denn es gibt nur eines an solchen Tagen: das Rennen.
Ein Ruhetag ist somit auch für die sonstigen Teammitglieder etwas Positives. Wir sind froh, Ruhetage zu haben.

Unterscheiden sich die Mahlzeiten von denen an Renntagen?

Walter, unser Chefkoch, bereitet die Mahlzeiten zu. Das Frühstück fällt an einem Ruhetag anders aus. Es gibt kein Rennen und daher essen die Fahrer keine Nudeln oder Reis zum Frühstück. Ein normales, ordentliches Frühstück steht auf der Tagesordnung. Unser Frühstückstisch ist voll von leckeren Dingen, so dass die Fahrer Reis und Nudeln sicher nicht vermissen: verschiedene Arten von Müsli, Aufstriche, frisches Obst, Trockenobst, Milch, Säfte, diverse Brotsorten, Tees, Eier oder Omelette – es steht genügend zur Auswahl, sodass jeder garantiert etwas für seinen Geschmack findet.
Das Mittagessen unterscheidet sich nicht vom Abendessen, was die Zusammensetzung betrifft. Unsere Fahrer finden immer Kohlenhydrate, Proteine und Gemüse am Büffet vor. Die Essensmenge ist jedoch eine andere.
Aufgrund der eher gemütlichen Fahrradtour sind keine großen Mahlzeiten notwendig. Es kommt darauf an, die Speicher für den nächsten Tag wieder zu füllen. Die kleinere Essensmenge stellt die Fahrer vor eine Herausforderung. Sie sind es gewohnt, an Renntagen viel zu essen. Aber mitten in der Tour de France, ist die Situation eindeutig eine andere.


Judith Haudum ist 33 Jahre alt und stammt aus dem österreichischen Salzburg. Die studierte Sportwissenschaftlerin, Dozentin und Expertin für Sporternährung arbeitet beim BMC Racing Team, das vom Sponsor PowerBar mit hochwertiger Sporternährung unterstützt wird.